Samstag, 23. Juni 2012

„Die Gratis-Bild lege ich meinem Vogel in den Käfig“

Twigga arbeitet im Skateshop "Search & Destroy" am Heinrichplatz - Foto: Benjamin Doerfel


20 Journalistenschüler der Axel Springer Akademie haben in den letzten Wochen die Oranienstraße belagert. Dabei hat man uns durchaus skeptisch beäugt und wir sind auch auf Ablehnung gestoßen. Die Geschichte des Verlags und der Ruf Axel Springers sind bei vielen Kiezbewohnern noch tief verwurzelt, da kann man selbst als gutgläubiger und motivierter Jungjournalist nur schwer die Mauern in den Köpfen einreißen.

Auch Twigga ist skeptisch. Er arbeitet in dem Skateshop „Search & Destroy“ am Heinrichplatz und kann mit dem Verlag nicht viel anfangen. „Axel Springer ist mir zu einseitig“, kritisiert Twigga die seiner Meinung nach teilweise unsachliche Berichterstattung. Die Karikaturen in den Zeitungen findet er zwar gut, Twigga ist selbst auch Künstler, generell sei der Verlag „aber zu sehr auf eine Seite gepolt.“

Bild nur aus Gruppenzwang



Gelesen hat er die Bild aber schon, „aus Gruppenzwang“. Früher als er auf der Baustelle gearbeitet hat, gehörte das einfach dazu. Damals hätten ihn vor allem die Damen auf der ersten Seite sehr angesprochen, sagt Twigga schmunzelnd und ist entsetzt, als ich ihm erzähle, dass es das Seite-1-Mädchen nicht mehr gibt.

corner Auf jedem Baustellenklo liegt ‘ne Bild. – Twigga play AudioCite1



Heute bekommt jeder Haushalt die Bild im Rahmen des 60.Geburtstages der Zeitung kostenlos zugestellt. Twigga wird sie trotzdem nicht lesen. „Ich glaube, ich leg die erst mal bei meinem Vogel in den Käfig“, sagt er. „Das ist wie Altpapier bei uns.“

Obwohl ich für ihn vom „Feind“ komme, unterhalten wir uns nett, fast freundschaftlich. Der Fakt, dass ich eben nicht zur Bild gehe, sondern nach Hamburg zum Abendblatt, hilft da sicherlich auch, wir verstehen uns gut. Zwei Kollegen hatte er zuvor schon mal abgesagt mit dem Hinweis: „Mit Springer mache ich nix.“

Es besteht noch Hoffnung



Ein Satz, den man auf der Oranienstraße häufiger hört. Der Kiez ist politisch eher links orientiert und viele Alternative prägen das Stadtbild. „Axel Springer wird gerade hier durchaus kritisch gesehen“, sagt Twigga. Während viele O'ler wirklich offen und unvoreingenommen waren und uns gerne ihre Geschichten erzählt haben, überlegten es sich andere - vor allem auch ältere Bewohner - zwei Mal, ob sie mit uns reden.

Es ist in erster Linie immer noch ein Generationenkonflikt. Die Meinungen der Generation Wallraff ist in den Köpfen verankert. Dennoch traut Twigga uns, der neuen Generation der Axel Springer Akademie, zu, dass wir es besser machen: „Wenn man hinter seinen Idealen steht, sehe ich da auf jeden Fall Hoffnung.“

Eine Bild wird er trotzdem nicht mehr lesen und wenn, dann nur, um sie flüchtig durchzublättern. „Das ist genauso, als wenn man das Fernsehprogramm durchzappt“, sagt Twigga und bleibt weiter skeptisch. Er ist sich sicher: „Die besten Informationen bekommt man eh auf der Straße.“
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