Sonntag, 17. Juni 2012

Eye-O-pening: Eine Nacht auf der Oranienstraße

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    Lech
    Polen ist draußen. Aus Solidarität beginne ich den Abend mit Lech - Foto: Benjamin Doerfel

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    Franken
    Gute Laune vor dem Franken - Foto: Matthias Bannert

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    Daumen hoch für Unfug-Bilder - Foto: Matthias Bannert

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    Schön, dass wir uns verstehen... - Foto: Matthias Bannert

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    Diese Beiden wollten nicht so recht, egal, ich aber, alles für den O-Blog - Foto: Matthias Bannert

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    Vier irische Mädels plus X - Foto: Matthias Bannert

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    Nein, der Mann liegt nicht auf der Straße, er arbeitet im Hochformat - Foto: Matthias Bannert

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    04.17 Uhr am Oranienplatz, kurze Pause - Foto: Matthias Bannert

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    Das ist alles, was um 04.39 Uhr vor der Luzia noch an Party erinnert - Foto: Benjamin Doerfel

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    Sie kann auch ganz ruhig und unschuldig aussehen, die O - Foto: Benjamin Doerfel

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    Vor dem Cake Club: Wo ist der Fehler im Bild - Foto: Matthias Bannert

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    Deutliche Aufforderung zum GV bei der schwul-lesbisch-transsexuellen Party im SO36 - Foto: Matthias Bannert

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    Nach dem SO: Es ist spät (oder früh), was machen wir nun? - Foto: Matthias Bannert

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    Im Roses scheint immer was zu gehen - Foto: Benjamin Doerfel

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    Im Franken kann man trinken, bis nichts mehr geht, wenn man denn reinkommt - Foto: Benjamin Doerfel

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    Heinrichplatz: leer. Bateau Ivre: zu. Benny: läuft und läuft und läuft - Foto: Matthias Bannert

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    Der Heinrichplatz gehört mir. Ist ja auch sonst keiner mehr da - Foto: Matthias Bannert

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    It's a dirty job but someone's gotta do it - Foto: Benjamin Doerfel

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    Kurz nach acht, Zeit für ein letztes Blog-Update - Foto: Matthias Bannert

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    Schön war's, bis zum nächsten Mal, liebe 0 - Foto: Benjamin Doerfel


Bis um acht Uhr bin ich mit Matthias durch die Oranienstraße gezogen. Mal war es lustig, mal verwirrend, mal schräg, mal erschütternd und auch mal langweilig.

Es ist kurz nach 23 Uhr. Wir wollen die Oranienstraße zu Beginn noch mal klassisch abgehen, um zu sehen, wo überhaupt was geht. Und wie zu erwarten war, passiert bis zum Moritzplatz überhaupt nichts. Beim ansässigen Döner-Mann hole ich mir erstmal ein Bier. Da die Polen kurz zuvor als Gastgeber bei der EM tragisch ausgeschieden sind, solidarisiere ich mich mit den Polen und trinke Lech. Matthias trinkt, wir fast immer, nichts, aber er muss ja auch auf mich aufpassen.

Es ist warm, geregnet hat es zum Glück seit heute Mittag nicht mehr, die Leute sitzen vermehrt draußen. Wir müssen uns erstmal stärken, Dürum und Pizza, und setzen uns neben das Franken, rein traue ich mich nur zum Pinkeln. Während ich per IPad den Live-Blog bestücke, beschwert sich der Kollege neben mir, er bekäme Sonnenbrand vom abstrahlenden Display. Er kommt aus dem Erzgebirge, ich verstehe ihn kaum, trotzdem unterhalten wir uns zehn Minuten ganz nett, dann langweilt er mich. Sein Kollege kommt dazu, schon ganz gut angepichelt und berichtet von seinem Besuch bei einem Gebrauchtwagenhändler in Köpenick. Von ihm lernen wir die Handwerkerweisheit: "Ein Franzose ist wie ein Engländer, nur auf beiden Seiten". Ach so.

Bei Lebensmittelmotten hilft nur die Chemiekeule



Seine Sitznachbarin, mit diversem Edelmetall im Gesicht, erzählt, dass sie am Montag ihr Diplom abgeben muss. Danach beginnt ihr 15-minütiger Monolog über Lebensmittelmotten. Wie sie sie befallen haben, wo sie sich überall eingenistet haben und dass man sie nur mit der härtesten Chemiekeule wieder los wird. Für 47 Sekunden hat sie meine Aufmerksamkeit, danach ertrage ich die spannende Geschichte nur noch, zwar bis zum Ende, aber wir merken: Hier ist nichts mehr zu holen, wir brauchen eine Standortveränderung.

Unterwegs machen wir ein paar nette Fotos mit ein paar noch netteren Damen. Kurze Pause auf einer Parkbank, scheinbar sind wir so gefundenes Fressen für den einen oder anderen Drogendealer. Erst einer, dann zwei, dann drei. Teilweise sogar mit der Zusatzoption Kokain. Zur Enttäuschung der wirklich netten Jungs müssen wir jedes Mal ablehnen.

"Ich muss euch mal zwischen die Beine"



Dann kommt ein Mann mit seinen Freunden aus dem Haus, vor dem wir sitzen. Er müsse uns "mal zwischen die Beine", sagt er. Die Aufforderung habe ich noch abgelehnt, also lasse ich ihn gewähren. Der bärtige Mann nimmt seine Haustürschlüssel und zwängt sie förmlich durch das Gitter des Gullis direkt unter uns. Ich frage, was das soll, aber er ist nicht wirklich auskunftsfreudig und geht lachend von dannen. Wir überlegen kurz, ob wir warten, bis er wieder kommt, um das Schauspiel noch mal umgekehrt zu bewundern, entscheiden uns aber dagegen.

Wir schlendern gegen 4:30 vom Oranienplatz aus kommend über die O und müssen feststellen, dass fast nicht mehr aufhat. Selbst die Luzia, die In-Bar schlechthin auf der Oranienstraße, stellt schon die Stühle hoch. Beim Bateau Ivre sieht es noch trostloser aus. Dafür, dass das die große Partymeile sein soll, ist das Angebot eher bescheiden.

Im SO36 geht immer was



Gegen fünf Uhr entscheiden wir uns für das SO36, ein bisschen aus Mangel an Alternativen und ein bisschen, weil es um die diese Zeit keinen Eintritt mehr kostet. Zwar warnt uns der Türsteher: "Ist schwul-lesbisch heute", wir wagen es trotzdem. Drinnen offenbart sich dann eine bunte und lustige Freak-Show der Berliner Gay-Szene. Überall liegen Kondome auf den Tischen, bedruckt mit der doch recht eindeutigen Ansage: "Auf die Schwänze fertig los." Viele der Transsexuellen haben sich echt herausgeputzt, eine/r hat sich auf Marilyn Monroe gepimpt, ein/e andere/r hat sich ein luftiges Sommerkleid angezogen. Den Preis für "laziest transsexual Outfit" gewinnt mit weitem Abstand der Kollege, der sich einfach hochhackige Schuhe zum Feinrippunterhemd angezogen hat.

Wir merken, dass wir hier nicht wirklich hingehören und beobachten eher, die Szene bleibt wohl gerne unter sich. Teilweise werden wir ungläubig angeguckt, gucken ungläubig zurück. Interessant ist es allemal, die Transendichte ist echt krass und die Outfits noch krasser, doch obwohl es echt lustig ist, entschließen wir uns gegen halb sieben zu gehen.

Draußen ist es hell, es ist warm und doch geht nicht mehr viel aus der O. Aus dem Franken drängt lautes Gelächter nach draußen, rein kommen wir nicht mehr. Im Roses ist noch heftig Remmy-Demmy, wir gehen kurz rein, es ist knüppelvoll, zu voll für uns. Sitzen wäre schon super, wir sind zu fertig, um jetzt noch endlos herumzustehen.

Der M29 als einzige Konstante



Wir gehen wieder raus, dort entleert ein Herr von der Straßenreinigung die Mülleimer. Er fängt an zu arbeiten, als wir aufhören, ehrenwert. Sonst ist die O praktisch tot. Selbst der Spätkauf 36 hat geschlossen, ein Phänomen, dass ich in meiner Zeit auf der Oranienstraße noch nicht bewundern konnte, fast so selten wir ein Venustransit. Die einzige Konstante auf der O ist der M29, er fährt und fährt. Um die Zeit nicht mehr so hoch frequentiert wie zu "normalen" Zeiten. Wieder am Moritzplatz fährt er an uns vorbei, praktisch leer, nur ganz hinten sitzen zwei Einsame, auf dem Weg nach Hause hoffentlich.

Wir haben Hunger, streunen wie zwei von der Herde getrennte Schaafe durch die O auf der Suche nach Frühstück, doch niemand kann oder will uns was geben, alles hat zu. Fast wieder am Anfang der O lässt die Bäckerei Pudel gerade ihre Rollläden hoch. Es ist acht Uhr, wir sind die ersten Kunden, mein Käsebrötchen ist sogar noch warm.




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